Bewegendes Orgelkonzert

Die Orgel ist weiblich – aber die Komponisten, die für die „Königin der Instrumente“ schreiben, sind meist männlich. Anlässlich des Weltfrauentags am Sonntag legte die Bürgerstiftung Karlsdorf-Neuthard in ihrem traditionellen Orgelkonzert in St. Jakobus Karlsdorf entgegen der allgemeinen Tendenz den Fokus auf Komponistinnen. Dass es so wenige Frauen an der Orgel gibt, daran sei auch die Kirche schuld, räumte Hausherr Pfarrer Torsten Forneck ein: „Das Paulus-Zitat, dass die Frau in der Gemeinde schweigen solle, wurde lange Zeit leider allzu wörtlich genommen.“

Die Werke, die Organist Patrick Wippel an der Klais-Orgel zu Gehör brachte, waren somit fast alle aus dem 20. Jahrhundert. Einzige Ausnahme war „Präludium un Fuge d-Moll (Opus 16 Nr. 3) von Clara Schumann, zugleich der bekannteste Name als Vertreterin der deutschen Romantik. In den klassischen Kirchentonarten blieb auch Gertraud Alteneckers „O Traurigkeit, o Herzeleid“, während die Französin Germaine Talliferre in ihrer „Nocturne“ einen eher post-impressionistischen Stil vertrat – kein Wunder als einziges weibliches Mitglied der „Groupe des Six“, die sich dem Neoklassizismus gewidmet hatten.

Der Großteil der 15 recht kurzen Stücke, die binnen einer Stunde durch die Register fegten, waren der angelsächsischen Literatur zuzuordnen in schwelgerischer Anmutung. Die Britin Betty Roe setzte einem fanfarenartigen „David’s Delight“ ein verträumt melancholisches „Elegy“ entgegen, während die Australierin von einer Meditation über „St. George’s Windsor“ zu einem pompösen „Prologue to a Ceremony“ überging. Ebenfalls aus Australien stammt Rosalie Bonighton, deren „Solemn Processional“ eingangs und „Joyful Recessional“ zum Ausklang die Klammer bildete zu diesem außergewöhnlichen Konzert mit selten gehörten Werken.

Maria Brandes bedankte sich abschließend im Namen der Vorstandschaft der Bürgerstiftung Karlsdorf-Neuthard bei Patrick Wippel für die gelungene Darbietung, Pfarrer Forneck für die Gastfreundschaft und den Besuchern für die Spenden zu Gunsten der barocken Zehntscheuer 1737.

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